(MDSV) Mitteldeutscher Stoffverbund

Die Chemiestandorte in Mitteldeutschland stehen in Zeiten des Strukturwandels und globaler Umbrüche vor großen Herausforderungen – und zugleich vor einzigartigen Chancen.

Im Themenfeld „Mitteldeutscher Stoffverbund 2035“ analysiert das House of Transfer Stoffströme und Wertschöpfungsketten im Mitteldeutschen Revier und den Einfluss der Transformation auf diese. Es entwickelt Transformationsszenarien und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab.

Die Ausgangslage. Der Mitteldeutsche Stoffverbund (MDSV) zählt zu den bedeutendsten integrierten Chemieclustern Deutschlands. Seine Produktionsstruktur basiert auf eng miteinander verbundenen Stoffströmen zwischen den Standorten Böhlen, Schkopau, Leuna, Bitterfeld-Wolfen, Piesteritz und Zeitz. Ein zentrales Element dieser Integration ist der Steamcracker in Böhlen, der bislang große Mengen petrochemischer Basischemikalien wie Ethylen, Propylen und Aromaten bereitstellt.
Die angekündigte Stilllegung dieser Anlage bis Ende 2027 ist daher kein isolierter Vorgang, sondern markiert einen tiefgreifenden Strukturbruch für den gesamten regionalen Verbund. Zahlreiche nachgelagerte Produktionsketten verlieren ihre zentrale Rohstoffquelle, wodurch sich neue Abhängigkeiten, Kostenstrukturen und infrastrukturelle Anforderungen ergeben.
Gleichzeitig ist diese Entwicklung Teil eines globalen Strukturwandels der petrochemischen Industrie, der durch steigende Energiepreise, Überkapazitäten im Basischemikalienmarkt und zunehmende Klimainvestitionen geprägt ist.

Ziel unserer ersten Studie ist es, technologische Zukunftsszenarien zu entwerfen, die in den kommenden Jahren den Weg zu einer erneuerbaren, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Industrie ebnen. Damit soll der Mitteldeutsche Chemieverbund langfristig als starker Innovations- und Produktionsstandort gesichert werden.

Die vorliegende Studie untersucht erstmals systematisch, wie die stoffliche Versorgung des MDSV nach der Cracker-Schließung organisiert werden könnte.

Zentrale Erkenntnisse

1. Der zukünftige Verbund muss Standortvorteile nutzen, um wettbewerbsfähig zu sein.
Eine vollständige Umstellung der Versorgung des MDSV auf nachhaltige Rohstoffe bei Erhalt der heutigen nachgelagerten Weiterverarbeitungsstrukturen ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum realistisch. Kurzfristig sind Importe der wichtigsten Olefine und Aromaten in die Region mit bestehenden Infrastrukturen möglich, um nachgelagerte Produktionsstufen weiter zu versorgen. Ein Import von Zwischenprodukten wird die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen aufgrund der geringen Wertschöpfungstiefe und hohen Versorgungskosten bedingt durch die Binnenlage des MDSV jedoch verringern. Um eine langfristig erfolgreiche Transformation des MDSV zu erreichen, müssen regionale Wettbewerbsvor-teile identifiziert und konsequent ausgenutzt werden. Dazu zählt insbesondere die Identifikation von nachhaltigen und kostengünstigen Rohstoff- und Energiequellen. Die Binnenlage des MDSV in einer agrar- und forstwirtschaftlich geprägten Region sollte als Chance verstanden werden.

2. Transformation erzeugt erhebliche Infrastrukturbedarfe.
Die Petrochemie ist durch hochgradig effiziente Versorgungs- und Verwertungsstrukturen gekennzeichnet. Petrochemische Rohstoffe werden in Chemieclustern aktuell fast vollständig stofflich oder energetisch verwertet. Nachhaltige Transformationspfade zeigen eine deutlich geringere energetische und stoffliche Nutzungseffizienz. Dem-entsprechend zeigen alle Transformationspfade erhebliche Bedarfe an infrastrukturellen Kapazitäten. Sei es für Versorgung mit Biomasse, Kohlenstoffdi-oxid, Wasserstoff oder erneuerbarer Energie. Der Aufbau substanzieller Versorgungsinfrastrukturen ist Grundvoraussetzung für einen langfristig erfolgreichen Transformationsprozess, da er die strategischen Standortvorteile oder -nachteile des MDSV bestimmen wird.

3. Die Transformation der Chemie gelingt nur im Verbund.
Die Analyse der Transformationspfade zeigt, dass eine nachhaltige Chemieindustrie nicht ohne Berücksichtigung des Energiesektors gelingen kann. Die bereits heute enge Verflechtung zwischen Energiesektor und Chemieindustrie wird durch eine nachhaltige Transformation noch intensiviert. Verbundeffekte auf Ebene von Werken und Anlagen sollten durch ökonomische und marktliche Verflechtungen ergänzt werden. Die möglichst vollständige und vor allem effiziente Verwertung von Koppelprodukten erfordert eine Erweiterung der traditionellen Märkte der Chemieindustrie. Der Verbundgedanke ist Teil der DNA der der Chemieindustrie. Eine nachhaltig erfolgreiche Chemieindustrie im MDSV erfordert den Transfer dieses Gedankens auf sektoraler Ebene: Chemie als Teil eines Verbundes aus Agrar-, Forst-, Abfall- und Ener-giewirtschaft.

Weitere Details können Sie der Studie entnehmen:

Executive Summary:

CCU/CCS

Mit der Auftaktveranstaltung der CCUS-Initiative Ostdeutschland in Leuna im Juni 2025, setzten -wir- das HoT des Fraunhofer IWES und die Europäischen Metropolregion ein starkes Zeichen: Ostdeutschland will aktiv die Zukunft der CO₂– Abscheidung,-Transport,-Nutzung und-Speicherung (CCUS) mitgestalten.

Unser Projektziel ist klar:

Die regionalen Wertschöpfungsketten bei der Transformation zu unterstützen und die Umsetzung industrieller Projekte zu beschleunigen.

🔶 Nach einer erfolgreichen Energiewende steht idealerweise wieder ein funktionierendes Gesamtsystem der regionalen Wertschöpfungsketten. Insbesondere das Mitteldeutsche Revier ist geprägt von Stoff- und Energieverbünden, die nach der Transformation auch noch bestehen sollten, in einem Zusammenspiel aus Erneuerbaren Energien, Wasserstoff- und Kohlenstoffwertschöpfungsketten.

🔶 Für eine erfolgreiche Energiewende braucht es ein funktionierendes Gesamtsystem der regionalen Wertschöpfungsketten.

🔶 Trotz der erheblichen Fortschritte im Ausbau erneuerbarer Energien bleiben in bestimmten Industriesektoren – wie der Zement-, Kalk-, Stahl- und Chemieindustrie – prozessbedingte CO₂-Emissionen unvermeidbar. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gewinnen die Technologien CCU (die Weiterverwertung von CO₂) und CCS (die Speicherung von CO₂) eine entscheidende Rolle.

Folgt diesem Link, um immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben:

https://ccus-ostdeutschland.com/

Auftaktveranstaltung der CCUS-Initiative Ostdeutschland aufgenommen am Donnerstag (05. Juni 2025) in Leuna
Foto: Jens Schlueter/Metropolregion Mitteldeutschland

Innokon/Innolab

Unsere Veranstaltungsreihe InnoKon

Mit der InnoKon haben wir 2024 eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen – in Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der IHK Cottbus, dem Netzwerk MinGenTec sowie dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Ziel der Reihe ist es, Innovation, Transformation und Vernetzung in den Strukturwandelregionen aktiv zu fördern.

InnoKon 2024 – Innovation im Strukturwandel

Die 1. Innovationskonferenz in den Strukturwandelregionen fand im Oktober 2024 statt – mit vielversprechender positiver Resonanz.
Unter dem Motto „Kleine und mittlere Unternehmen im Strukturwandel stärken“ standen die Chancen und Herausforderungen des Wandels im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier im Mittelpunkt.

🔶 Erste Entwicklungen zeigen:
Gezielte Investitionen in Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien treiben den Wandel voran. Unternehmen diversifizieren, GreenTech-Start-ups wachsen und internationale Investor*innen starten Großprojekte. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung – der durch Umschulungsprogramme und Wissens-Transfermodelle (z. B. geteilte Anstellungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft) gezielt adressiert wird.

Ein besonderes Highlight waren die Pitches von neun innovativen Unternehmen – sie führten nicht nur zu spannenden Erkenntnissen, sondern auch zu neuen Kontakten und vielversprechenden Projektkonsortien.


InnoLab 2025 – Vom Abfall zum Wertstoff

Im September 2025 wurde das Format erweitert: Zum InnoLab „Vom Abfall zum Wertstoff“ luden wir nach Halle (Saale) ein.

Im Fokus stand die Frage, wie sich eine echte Kreislaufwirtschaft etablieren lässt – durch innovative, ergänzende Abfallverwertungsmethoden. Neben dem klassischen mechanischen Recycling gewinnen chemische und biotechnologische Verfahren wie Pyrolyse, Solvolyse, enzymatische Behandlung oder Gasifizierung zunehmend an Bedeutung.

Gemeinsam mit dem Center for the Transformation of Chemistry (CTC), Plastics Europe Deutschland sowie Expert*innen aus Politik, Forschung und Wirtschaft diskutierten wir über Potenziale, Herausforderungen und Anwendungsbeispiele dieser neuen Technologien.


Ausblick: InnoKon 2026 in Sachsen-Anhalt

Auch 2026 wird die Veranstaltungsreihe fortgeführt – mit spannenden Onlineformaten und der nächsten großen InnoKon in Sachsen-Anhalt.
Freuen Sie sich auf inspirierende Impulse, praxisnahe Einblicke und neue Chancen für Kooperation und Innovation.

Beirat

Aufgaben
– Beratung zu Aktivitäten des House of Transfer und aktuellen Fragestellungen
– Identifizierung relevanter Entwicklungen und Themen in den Bereichen Bioökonomie, Chemie, Kunststoffe und Wasserstoff
– Unterstützung und Begleitung zur kontinuierlichen Verbesserungen der Leistungen im HoT mit Blick auf Praxisrelevanz, Bezug zu den Stakeholdern und Vernetzung der Sektoren